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BIBER Aloys
in München (Munich)

(1804-1858)

NECROLOGY

"Professor Schafhäutl in München hat dem am 13. December verstorbenen bayerischen Hof-Pianoforte-Fabrikanten Aloys Biber einen ehrenvollen Nachruf gewidmet, nach welchem der polytechnische Verein zu München den Verlust eines seiner ausgezeichnetsten Mitglieder und München den Verlust eines seiner ehrenwerthesten, berühmtesten Bürger zu beklagen hat.

Diesem im Kunst- und Gewerbeblatt für das Königreich Bayern abgedruckten Nach ruf entnehmen wir nachfolgenden Auszug :

A. Biber war geboren zu Ellingen, den 1. Sept. 1804, und stammte von väterlicher Seite aus einer berühmten musikalischen Familie. Sein Ahnherr, Franz Heinrich v. Biber, fürsterzbischöflicher Truchseß und Capellmeister von Salzburg, war einer der größten Violinspieler seiner Zeit. Leopold I erhob ihn in den Adelstand, Ferdinand Maria zu München hieng ihm eine goldene Kette um.

Ein gleiches that Kurfürst Max Emmanuel. Der Vater unseres Verstorbenen war Andreas Biber, Instrumentenmacher zu Ellingen, ein tüchtiger, lebensfroher Mann, dc : 14 Jahre auf der Wanderschaft zu brachte, in Spanien, Portugal und zuletzt in dem Etablissement des berühm ten Pianofortefabricanten Broadwood in London arbeitete.

Er hatte bereits drei Jahre in dieser Fabrik zugebracht, und würde gar nicht mehr nach Hause gekehrt seyn wenn ihn nicht der dringende Wunsch seiner Eltern und die Bitte des Landcomthurs dazu veranlaßt hätte.

Mit allen Einzelheiten der großartigsten Pianofortefabrik der Welt vertraut, ließ er sich zu Ellingen häuslich nieder, heirathete die Tochter des dasigen Bürgermeisters, und sah in einer sehr glücklichen Ehe der schönsten Zukunft entgegen, als der Krieg mit einemmal sein Vermögen, alle seine Hoffnungen und Aussichten für immer zerstörte.

Aus dieser Ehe wurden elf Kinder geboren, von welchen unser Aloys Biber das letzte und jüngste war. Der Vater wendete alle Sorgfalt auf die Erziehung dieses Knaben für eine Kunst zu welcher ihn durch sein feines Ohr und seine ausgezeichneten technischen Anlagen die Natur selbst bestimmt zu haben schien.

Der gutmüthige Sohn vergalt diese väterlichen Be mühungen mit der wärmsten Kindesliebe; denn von seinem fünfzehnten Jahre an unterstützte er aus seinem spärlichen Verdienst Vater und Mutter, und der Vater starb buchstäblich in den Armen des weinenden Sohnes, ehe dieser sich selbst eine bleibende Stätte gegründet hatte.

Trotz der nachgewiesenen Thatsache daß die Existenz der Eltern von der Handarbeit des Sohnes abhieng, mußte er doch seiner Militärpflicht Genüge leisten. Wieder frei geworden, gab dem jungen arbeitsamen Biber Goethe's Sprüchlein das Geleite in die Welt :

„Bleibe nicht am Boden heften, Frisch gewagt und frisch hinaus, Kopf und Herz mit heitern Kräften Ueberall sind sie zu Haus.“

Biber war ein heller, beobachtender Kopf, eine stille, ächt deutsche treue Natur. Mit einem nie zu ermüdenden Fleiß, mit all den Kenntnissen und Erfahrungen seines Vaters ausgestattet, arbeitete er von seiner ersten Jugend an bis zu seiner letzten Todeskrankheit immer offenen Kopfes und Herzens, immer vorwärts schreitend, fromm und treu das Bessere suchend, war deßhalb überall geliebt wo er weilte und arbeitete, und genoß das Vertrauen seiner Herren und Meister, die, das Streben des arbeitsamen jungen Mannes schätzend, ihn gewöhnlich in Geheimnisse einweihten die sie vor andern verhüllten.

Als Biber im Jahr 1833 seinen Wohnsitz in München aufschug, stand die Pianofortekunst daselbst nicht mehr auf ihrer frühern hohen Stufe.

Johann Ludwig Dülken, schon von dem Kunst liebenden und übenden Karl Theodor 1781 als „mechanischer“ Hofclaviermacher in München angestellt, war wirklich ein mechanisches Talent, und hatte unserm München bald einen bedeutenden Ruf im Fache der Pianofortekunst erworben.

Allein er war bereits 72 Jahre alt, hatte sein Geschäft aufgegeben und nahm keinen Antheil mehr an den Verhältnissen und Anforderungen dieser Zeit.

Der Piano fortebauer Sailer, der nun um diese Zeit die meisten Flügel in Bayern baute, arbeitete gut, doch streng nach Wiener Mustern, so daß die wirklichen Wiener Instrumente in München bald den höchsten Ruf erhielten.

Von dem Tone englischer Instrumente hatte man indessen weder in Wien, noch in München einen Begriff. Als der damals berühmte Wiener Pianofortefabricant Konrad Graff [sic] in Begleitung Czerny's den berühmtesten Pianofortebauern Londons einen Besuch abstattete, sandte ihm Broadwood einen Flügel seiner Fabrication als Andenken nach Wien, wogegen Graff gleichfalls einen Wiener Flügel aus seinem Etablissement an Broadwood nach London sandte.

Hier ergab sich nun die allerbeste Gelegenheit den gewaltigen Unterschied zwischen Londoner und Wiener Instrumenten in recht klarem Lichte zu beobachten, so daß die Engländer, welche überall nur den gewaltigen Instrumentalton wollen und suchen, durchaus keine vortheilhafte Idee von deutschen Clavierinstru menten bekamen.

Zwar hatte der Claviermacher Baumgartner in München seinen Clavieren bereits einen viel stärkern Bezug gegeben, und die Vortheile welche aus dieser neuen Veränderung entsprangen, namentlich in Hinsicht auf Halt barkeit des Bezuges und der Stimmung, leuchteten sehr klar hervor.

Allein die Mechanik blieb denn doch immer die alte Augsburg-Wiener Mechanik, und Baumgartner, immer in Geldverlegenheit, betrieb sein Geschäft selbst als Gewerbe so nachlässig und unregelmäßig, daß an eine Reform des Clavierinstrumentenbaues nicht zu denken war.

Da begann im August 1833 Biber sein Geschäft mit nur drei Gesellen in einer hiezu gemietheten Wohnung in der Sonnenstraße.

Der Mann welcher früher nur gewohnt war andern mit einer ganzen Hingebung, ja oft mit Selbstaufopferung zu dienen, wär nun Meister; aber auch Meister im vollsten Sinn des Wörts. Bei 5 Uhr Morgens im Kreise seiner Gesellen selbst am meisten arbeitend bis die Sonne fank dann in seinem einsamen Kämmerlein sitzend, rechnend, zeichnend, brütend bis des nächsten Morgens 2 Uhr – gönnte er sich, auf seine eiserne Gesundheit bauend, nur wenige Stunden Schlaf.

Bald begannen die Clavierinstrumente welche aus dieser neuen Werkstätte hervorgiengen Aufsehen zu erregen. Man fand an ihnen bei der schönster vollendetsten Arbeit in ihrem Aeußern – eine Fülle des Klanges, eine Kraft des Tones bei schönster Gleichförmigkeit der Scala, lauter Eigenschafter an deren Vereinigung in einem Instrument man bisher in München gar nicht gedacht hatte.

Er baute zuerst in München seine Pianofortes nach enlgischem System, dem stärkern Saitenbezuge wurde auch eine stärkere Mechanik als die alte Wiener angepaßt; der Meister war aber nie schlavischer Nachahmer, sondern modificirte, ja verbesserte, wie es die Zeit, die Umstände und die Bedürfnisse erforderten.

So wuchs Bibers Ruf sehr rasch, wozu noch das einfache bescheidene Benehmen des jungen Bürgers gleichfalls gewiß das seinige beigetragen hat, und am 6. April 1834 verehelichte er mit Katharina Schnetter, der Tochter des berühmten Verfertigers chirurgischer Instrumente, Kaspar Schnetter, welcher München zuerst in diesem Fabricationszweige Ruf erwarb.

Wenn auch seine pecuniaren Bedürfnise im Augenblick durch diese Berehelichung nicht viel verbessert wurden, so gewann er doch eine sehr gebildete Hausfrau, die Freund und Leid in seiner neuer Haushaltung redlich bis zu seinem letzten Hauche mit ihm theilte, und die zuletzt so ausgebreitete Correspondenz und Buchführung zum grössten Theil übernahm.

Schon das nächste Jahr nach seinerGrablirung erhielten zwei Instrumente, ein Mahogony Flügelinstrument und ein Querpianoforte in der Industrie-Ausstellung in Nürnberg : silberne Preismedaille.

Die Preisrichter fanden namentlich den Ton seines Querpianoforte so stark als den eines Münchener Flügels, und nochüberdieß die Preise außerordentlich nieder.

Acht solcher Flügel wurden dann auf einmal bei unserm Biber in Bestellung gegeben, die größtentheils für de Ausland bestimmt waren.

Der Nachfragen nach Bibers Clavieren wurden nur bald so viele, daß er sich genöthigt sah einen, zwei, drei Gesellen mehr anzunehmen; da wurde denn auch sein gemiethetes Local zu klein.

Aber mit  dem steigenden Ruf seiner Fabricate war auch sein Fleiß und seine Genügsamkeit wenn möglich im Steigen begriffen, und so sah er sich bald inte Stand gesetzt das Haus welches er bis zu seinen Ende bewohnte als Eigenthum zu erwerben.

Biber ließ auch, während sein Geschäft immer mehr an Ausdehnung gewann und seine Kräfte mehr und mehr in Anspruch nahm, in nächtlichen Studien, die das eigentliche, tiefer liegende Wesen seiner Kunst betrafen, nicht nach; er suchte unablässig, oft ganze Nächt dazu verwendend die Ursachen jedes der vielen Mängel auf, welche für den Kenner auch an dem vollkommenstgebauten Pianoforte hervortraten, und half diesen immer mehr und mehr ab, und zwar oft durch so unbedeutend scheinende Veränderungen, daß sie selbst dem Auge des Kenners entgangen seyn würden, wenn er nicht durch den Verfertiger darauf aufmerksam gemacht worden war Namentlich trat bei der immer stärker geforderten Besaitung der Instrumente der Mangel sehr fühlbar auf daß die höchsten Discanttöne, im Vergleich mit den dünner besaiteten Wiener Flügeln von längerem Bezug, immer mehr und mehr an Feinheit des Klanges verloren, die man von den Wiener Flügeln der gewohnt war.

Biber half endlich dem Uebelstand auf eine höchst sinnreiche Art ab. Er erfand seine sogenannte Klangmaschine. Ueber die zweite hochsten Octaven des Stimmstocksteges geschraubt, gibt die Maschine dieser Partie die nothwendige Widerstandsfähigkeit und Festigkeit, ohne jedoch jene eigentliche Tonfarbe zu verwischen welche das Holz allein zu geben im Stande ist.

Diese Klangmaschine ist es welche den Biberschen Flügelpianofortes jenen klingenden und doch voluminösen Glockenton in den höheren Octaven verleiht, der in solch unveränderlicher Art an keinem andern Fortepiano gefunden wird.

Biber, stets in der Ausdehnung seiner Fabrik beschäftigt, sandte gleichfalls Instrumente zur allgemeinen Industrieausstellung welche im Jahre 1842 in Mainz gehalten wurde, und erhielt hier die goldene Medaille.

Von diesem Zeitpunkt an verbreitete sich der Ruf der Biberschen Claviere auch in der Rheingegend, und Heckel in Mannheim, der sich immer ein Lager von Clavieren vorräthig hielt, besorgte ihre Versendung.

Ueberall fand der große klingende Ton und die Spielart dieser Instrumente Bert derung. Schon im Jahr 1846 erhielt Biber vom König den Titel eines Hof-pianofortefabrikanten.

Das Glück, oder, wie er dieß immer selbst mit dankbarer Rührung besser nannte : der Segen des Himmels begleitete alle seine Unternehmungen; er war in kurzer Zeit aus einem armen ein wohlhabender, zuletzt sogar reicher Mann geworden, im Herzen aber immer die einfach bescheidene, kindliche Natur geblieben, die mit der innigsten Liebe nur an ihrer Familie hieng, zu welcher auch Bibers alte Mutter gehörte, welche, glücklicher als ihr Gatte, noch 12 Jahre Zeuge der gesegneten Verhältnisse ihres Sohnes war, und im 86. Jahre, ihren Wohlthäter segnend, starb.

Die grossen Industrieausstellungen zu Paris lockten auch unsern Biber nach dieser Hauptstadt Frankreichs. Er kam von dort an Erfahrungen reich wieder zurück.

Immer beschäftigte seinen Geist die Construction einer guten, kraftvollen und voch einfachen Claviermechanik. Er wußte nur allzu wohl, daß namentlich Virtuosen gerade den Werth oder Unwerth eines Pianofortes nach dem Zustand seiner Mechanik zu beurtheilen pflegen. Bei einer guten Mechanik muß derselbe Ton in einer Secunde wenigstens 10mal wiederholt werden können, ohne daß je einer ausbliebe.

Schon Seb. Erard in Straßburg suchte diesem Uebelstand abzuhelfen, indem er 1823 eine höchst sinnreiche Mechanik construirte, welche, nach dem Princip des Italieners Christofali gebaut, den Ton versicherte, auch wenn die Taste nicht wieder ganz in ihre ursprüngliche Lage zurückfiel. Diese Mechanik ist die berühmte Erard'sche à double échappenent.

Sie ist jedoch viel zu complicirt, und schon des halb außerordentlich kostspielig. Eine einzige Taste mit ihrem Hammer be steht aus wenigstens 64 Theilen, hat 5 Achsen, die in mit Tuch ausgefütter ten Büchsen laufen.

Viel gebraucht, wird sie deßhalb bald abgenützt, klap pert, und verliert alles was ihren Vorzug bedingt. Aus diesem Grund ver besserte der praktische Engländer Broadwood seine früher angewendete englische viel einfachere Mechanik, daß es auch bei dieser leicht ist den Ton wieder anzuschlagen, ohne daß die Taste ganz an die Stelle ihrer Ruhe zurückgesunken wäre.

Broadwood nannte diese Erfindung Victoria repetition. Biber, der mit seiner Zeit in Bezug auf Pianofortebaukunst stets auf gleicher Höhe blieb, der alles kannte was die Gegenwart im Fach der Pianofortebau kunst leistet, ja sogar die Geschichte derselben in Modellen vor sich hatte, kam zuletzt noch auf einem viel einfacheren Wege zu demselben Ziel als Broadwood.

Die Erfindung dieser einfachen Mechanik vermehrt seine vielen Ver dienste um die Pianofortebaukunst wieder um ein neues. - Er hatte die Natur und Eigenschaften der Materialien welche er zu dem Bau seiner Claviere verwendete lange und sehr genau studiert.

Daher baute er jedes seiner Instrumente nach der Qualität des Holzes und der Materialien die er dazu verwendete; aber eben deßhalb war keines seiner Instrumente im Detail genau gebaut wie das andere. Daher kamen auch die fruchtlosen Bemühungen seine Instrumente, die man genau copirte, nachzubauen.

Es war Grundsatz bei ihm sich immer die besten Materialien zu verschaffen.

Das Holz zu seinen Clavieren wählte er sich selbst in den Wäldern unserer südlichen Vorgebirge noch in Stämmen aus; denn so war es ihm allein möglich Holz wie er es nöthig hatte und wollte für seinen Gebrauch zu erhalten.

Der Verstorbene war kein Clavierspieler, aber er besaß ein feines Ohr für Musik und den Ton als musikalisches Element überhaupt; er war deßhalb zugleich der beste Stimmer.

Wer das Wesen des Clavierbaues kennt, weiß daß es für den Verfertiger nicht nöthig ist ein guter Pianofortespieler zu seyn. Zur richtigen Würdigung eines Clavierinstrumentes bedarf es nicht einmal der ganzen Hand – ein einziger Finger ist vollkommen ausreichend; ja dieser einzige Finger bringt oft manchen Pianofortebauer zur Verzweiflung.

Zu der ällgemeinen deutschen Industrieausstellung in München liefere - Biber 3 Flügel. Der erste mit sogenanntem weißen Mahagony fournit und - mit in Feuer vergoldeten Ornamenten garnirt, besaß die stärkste Mechanik und war im Ton den größten Erardschen und Broadwood'schen Flügeln we nigstens gleich. Die zwei andern Flügel waren mit Palisanderholz fournirt, - der eine mit Bronzeverzierungen, der andere ohne dieselben.

Der prächtige Flügel aus weißem Mahagony übertraf alles was von Clavieren zur Aus stellung geliefert wurde. Mofcheles, der einmal spielend die ausgestellten Instrumente musterte, kam mit sichtbarem Vergnügen wieder und wieder zu dem Biber'schen Pianoforte zurück, spielte sich endlich warm und schloß in seiner schönen, klaren, leuchtenden, jeder Situation geistig sich anschmiegenden Weise mit der Ouvertüre zur Zauberflöte.

Im Preisgericht selbst wurde endlich, trotz der vielen einander durchkren den patriotischen Interessen der einzelnen Jurymitglider dennoch der ein stimmige Beschluß gefaßt Biber die große erste Denkmünze zuzuerkennen - noch überdieß mit dem Anhang :

„es möge der Vorsitzende wegen der großen Verdienste welche sich Biber durch die Vervollkommung der Pianoforte fabrication um Bayern erworben, diese Verdienste Bibers auf irgend einem sandte ihm den Preis im voraus, und war zufrieden nach vielen Weg im Namen der Commission zur Kenntniß der bayerischen allerhöchsten Stelle bringen.“

Vom höchsten Norden bis zum tiefsten Süden häuften sich die Bestellungen so sehr, daß Biber ihnen nicht mehr genügen konnte, da jedes Clavier das er verkaufte auch von seiner Hand vollendet in die Welt gieng.

Man sandte ihm den Preis im Voraus, und war zufrieden nach vielen Monaten erst die bestellten Pianofortes erhalten zu können.

Er hätte hinreichenden Grund gehabt seine Fabrication umsdreifache zu vergrößern, aber er wäre nicht mehr im Stand gewesen jedes Instrument mit eigener Hand zu vollenden.

Trotz allem Anrathen war er nicht zu diesem Entschluß zu bringen. Er wollte sich erst seinen Sohn herangezogen haben, daß dieser im Stand wäre in seine Fußstapfen, wie er es wollte, einzutreten.

Als sein Sohn endlich 21 Jahr alt geworden, gienger ernstlich an die Realisirung dieses lang durchdachten Planes. Da überfiel ihn der erste Angriff jener Krankheit die ihn zuletzt dem Tod in die Arme lieferte.

Periodenweise hatte er sich von mehreren erneuten heftigen Anfällen dieser Krankheit wieder erholt, und seine alte Thätigkeit von neuem begonnen; allein den letzten Anfällen unterlag endlich seine früher so kräftige Natur.

Ruhig einer fröhlichen Urständ entgegensehend, ergab er sich wie in alle so auch in diese letzte der Schickungen des Himmels, schloß seine Rechnung mit der Welt ab, und wünschtenur daß, während die Kirche für seine Seelebete, vom Chor Mozarts Requiem ertöne. Biber starb am 13 December 1858.

Die Fabrication geht unter der nämlichen Firma ihren alten Gang fort. Der Verstorbene war nicht nur ein Künstler ersten Ranges, er war, was noch weit mehr ist, ein edler Mensch im ganzen Sinn des Wortes. Sein ganzes inneres Leben war ein Familienleben, und zwar ein Fa milienleben höherer Art, dessen belebende und bewegende Seele er allein war.

Kein Vergnügen, nur Geschäfte entrückten ihn seinem theuren Kreise. Auch seine Arbeiter gehörten in diesen Familienkreis, und gerade dadurch hat er die tiefe Schattenseite des immer mehr und mehr um sich greifenden, ent menschlichenden, fabrikmäßigen Geschäftsbetriebes lichter gemacht, und sich um München ein anderes Verdienst erworben, das der laute Markt natürlich nicht zu wägen versteht.

Außer einigen die ihm durch Verlockungen klingender Art entrissen wurden, blieben seine Arbeiter gern für die Dauer ihres Lebens um den friedlichen Herd versammelt.

Er weckte in seinen Arbeitern Sinn für die Freuden schuldlosen Familienlebens, gründete so einen blühenden Verein unter seinen Arbeitern selbst, durch welchen der Erkrankte Ver pflegung und die Familie des Verstorbenen noch eine Summe Geldes erhält.

Sich aufopfernd für alles was ihm Verwandtschaft näher gerückt hatte, wohlthätig gegen Hülfsbedürftige jeder Art, und zwar oft in großartigem Maßstabe, ohne daß es selbst die ahnten welche am nächsten um ihn standen, lernten ihn von seiner innern Seite nur diejenigen recht eigentlich kennen welche in nähere tiefere Berührung mit ihm kamen.

Er sprach im Umgange wenig, war eher schüchtern sich zurückzuziehen als hervorzudrängen geneigt, deßhalb nie herausfordernd, aber auch von kleinlichen Angriffen, die dem so rasch sich Emporschwingenden Neid und Mißgunst aller Art nicht selten berei teten, schmerzlicher ergriffen als dieß bei Menschen gewöhnlichen Schlages der Fall zu seyn pflegt.

Er besaß einen offenen Sinn für alles Schöne, und seine Claviersalons wurden oft der Versammlungsplatz der musikliebenden gebildeten Welt Münchens, um einen fremden Künstler oder auch Schöpfun gen junger Compositeure in einen engern Kreise zu vernehmen.

Am seligsten befand er sich bei einem frugalen Mahl im Kreis einiger guten Freunde; da wurde er heiter, mittheilend, humoristisch, gieng gern in die Vergangenheit seines Lebens zurück, und erinnerte da recht oft an manche der kindlichen, lie benswürdigen Gestalten, die uns Jean Paul in seinen besten poetischen Stunden mit den lebendigsten Zügen so reizend vorgeführt.

Gewissenhaft gegen alle, war er es als Pianoforteverfertiger oft bis zur Aengstlichkeit. Er gab kein Instrument aus seinen Händen, an welchem ihm noch irgend etwas zu verbessern möglich schien.

Der Verstorbene gehörte zu derjenigen Classe von Menschen, deren Zahl leider immer seltener zu werden beginnt. Er war ein hochbegabter Künstler, und, was noch weit mehr wiegt, ein thatkräftiger, edler, braver Mann. – Sey ihm die Erde leicht !" Allgemeine Zeitung München, 14/02/1859, p. 722

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