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Alois PARTTART
à Vienne

1894

Die Clavier-Fabrik von Alois Parttart in Akgersdorf bei Wien.

In den lehten Jahren hat das herrliche Landschaftsbild, welches in prachtvollem Cyclorama die Stadtgrenzen Wiens umschließt, manche erfreuliche Veränderung erfahren. Wer heute von den Höhen des Kahlenberges hinabblickt auf die grünen Hügel, die von den lehten Häusern der Stadt hinanführen zu den Rebengeländen und dunklen Waldungen der Wiener Vorberge, der macht die überraschende Wahrnehmung, dass die Stadt seit den letzten zehn Jahren langsam und ganz im Stillen um ein Beträchtliches weiter hinausgerückt ist. Weite grüne Flächen von einst sind heute von freundlichen Villenzeilen durchquert. Besonders charakteristisch ist auch das Wachsen der Stadt nach dem Westen und Süden.

Ueberall aber sind es die großen Fabriksbauten mit ihren qualmenden Riesenschloten, die dem Weitergreifen der Stadt das Terrain abstecken und an der Westbahn kommen sie uns heute schon bis HütteldorfBaumgarten entgegen, während sie an der Südbahn bereits bis nach Azgersdorf hinausgerückt sind. So ist in den lezten Jahren, hart an das dortige Stationsgebäude der Südbahn anstoßend, ein stattliches Industrie-Etablissement entstanden, in welchem eine der größten Clavierfabriken Wiens untergebracht ist, die vorzüglichen Clavierbau-Werkstätten von Alois Parttart.

Diese Clavierfabrik dürfte gegenwärtig die am zweckmäßigsten eingerichtete Pianoforte- Bauanstalt Wiens sein. Ihre maschinelle Einrichtung ist muster
giltig und es gibt wohl keine Errungenschaft auf diesem Gebiete, welche der Chef des Hauses Parttart nicht mit kundigem Blicke zum Vortheil seiner geschäftlichen Organisation verwerthet hätte.

Alois Parttark
Begründer und Chef der großen Clavier-Fabrik in Aggersdorf bei Wien.


Es geht denn auch unleugbar ein frischer, industrieller Zug durch die ganze Einrichtung dieses Etablissements und wer die dominierende Stellung der großen deutschen und amerikanischen Clavierfabrikanten kennt, muss sich freuen, dass nun auch ein Wiener Etablissement dieselben Wege betritt, welche den ausländischen Clavieren zu so lohnendem Erfolge im Welthandelsexporte verholfen haben.

Das Etablissement macht schon durch seine weitgestreckten, mit dem Bahnkörper parallel ziehenden Fabriksfaçaden einen sehr imposanten Eindruck. Die Baulichkeiten sind durchwegs neu aufgeführt und man sieht beim ersten Blicke, dass hier alles nach einem bestimmten Plane entstanden ist.

Ein Rundgang durch die Fabrik selbst, welche bereits auch das Auge der Fachleute auf sich zu lenken begonnen, beweist denn auch auf Schritt und Tritt die Richtigkeit dieser Annahme.

In den Parterretracten sind die Holzbearbeitungs-Werkstätten untergebracht, wo durch große Dampfmaschinen eine Reihe der modernsten Maschinen für Pianofortebau im Betrieb zu sehen sind.

Ein betäubendes Surren und dumpfbohrendes Geräusch erfüllt diese Räume und man möchte es kaum für möglich halten, dass aus diesem Donnergepolter und Maschinenlärm schließlich das universellste aller Musikinstrumente, das Clavier, hervorgehen soll.

Der grosse Clavier-Salon im Parttart'schen Fabriks-Etablissement zu Atzgersdorf

Überall  sieht man hier bereits die rohgezimmerten Gehäuse, deren Holz den subtilsten Trockenprocessen unterworfen wurde und derart auf seine Dauerhaftigkeit und Zähigkeit erprobt ist, dass die Parttar t'schen Claviere, die heute nach allen Weltgegenden versendet werden, sich unter dem tropischen Himmel Ägyptens und Tunis, wie Brasiliens ebenso vorzüglich bewähren, wie in dem nebligen Winter Hollands und den eisigen Frösten Norwegens und Russlands.

Die Fabriks-Façade des Parttart'schen Clavier-Etablissement nächst dem Ahgersdorfer Stationsgebäude.

Hervorzuheben ist an den Parttart'schen Clavieren deren außerortentliche Klangschönheit und Tonfülle, welche dem Spiele dieser Instrumente jene pracht vollen orchestralen Effecte verleihen, wie man sie nur auf den besten Pianofortes erzielen kann. Ebenso vorzüglich und dauerhaft sind die Parttart'schen Claviere in. der Stimmung, welche sie staunenswert lange behalten.

Die Parttart'sche Fabrik baut Pianofortes und Pianinos in allen Größen und von der einfachsten Ausstattung bis zum großen Imperial-Concertflügel mit reichen Schnikereien, welche wie alle Bestandtheile in den eigenen Bildhauer-Ateliers der Fabrik von kunstgeübten Händen hergestellt werden.

Für die Gehäuse der Parttart'schen Claviere selbst kommen nur die feinsten und gediegensten Holzsorten Österreich-Ungarns zur Verwendung, wie wir sie ja auch an das Ausland liefern, welches bisher aus unseren Holzsorten dem österreichischen Clavierexporte so fühlbare Concurrenz zu machen wusste.

In der That sind unsere Holzsorten nahezu unerreicht in ihrem Halten der Stimmwirbel, ebenso wie in ihrer Verwendbarkeit für die Flügel- und Pianozargen und Resonanzbodenstege.

Besonders hervorzuheben ist aber, dass sämmtliche Bestandtheile der Parttart'schen Claviere in der Fabrik selbst erzeugt werden und dass die Auswahl des zur Verwendung gelangenden Materials wie der Hämmer und Dämpfungsfilze, der Garnirungstücher der Mechanik und Claviaturen sowie der Stimmwirbel und Clavier saiten die denlbar sorgfältigste und gewissenhafteste ist.

Auf diese Weise hat sich das Parttart'sche Clavier rasch eine ganz exceptionelle Stellung unter den mit Necht in aller Welt so hoch geschätzten Wiener Clavieren errungen, und dass dieses aus kleinen Anfängen hervorgegangene Etablissement am 18. August des Vorjahres bereits auf eine 25jährige Thätigkeit zurückblicken konnte, beweist eben, dass die Energie seines Begründers, des Herrn Parttart und die von ihm befolgten Geschäftsgrundsätze allezeit richtig angewendet waren.

Das Jubiläum der Parttart'schen Clavierfabrik, das von den zahlreichen Geschäftsfreunden des Hauses, sämmtlichen Arbeitern und den Gemeindevertretungen von Aygersdorf und Mauer festlich begangen wurde, ist jedenfalls auch ein erfreuliches und ehrenvolles Ereignis für unsere heimische Industrie überhaupt. Denn es bedeutet gerade unter den heutigen, so schwierigen Zeitläuften einen doppelten Erfolg, wenn ein schlichter Clavierbauer sich aus eigener Kraft zum Fabriksherrn emporzuarbeiten vermochte.

Blick in die Arbeits-Häle der Parttart'schen Clavier-Fabrik in Atzersdorf bei wien

Derartige Ereignisse sind wichtigere und beherzigenswertere Fingerzeige für unseren Gewerbestand, als Bierbankreden und Hekereien und wer wissen und erfahren will, wie man trok der Ungunst äußerer Verhältnisse und Bedrängnisse seinen Weg machen kann, der forsche und erkundige sich nach der Geschichte des heute so angesehen und geachtet dastehenden Hauses Parttart, das Alles nur dem Kopfe und den Händen seines Begründers zu danken hat." Die österreichische illustrierte Zeitung: Wochenschrift für alle ..., 1894, p. 8-9

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