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KAPS Ernst
in Dresden

1862

LONDON - "Ernst Kaps (2345) in Dresden: ein Konzertflügel mit Herz'scher Mechanik. Das Instrument zeugt von Talent/ die Spielart ist weich und elastisch/ dem Ton geht noch etwas Nundung und Fülle ab, jedoch ist die Fabrik erst seit Kurzem gegründet und der Fabrikant kann bei seinem vorwärtsstrebenden Eifer einer guten Zukunft entgegensehen." Amtlicher Bericht Uber Die Industrie Und Kunst-Ausstellung Zu London Im 1862, p. 82

1873

VIENNA - "25. Kaps, E., Dresden. - Zwei Flügel, kreuzsaitig. Gegründet 1859. Pianofortefabrik. Verfertigung ganz kleiner Flügel. 1871 wurden 600 Flügel für 210,000 thlr. gefertigt. Absatz grösstentheils nach ausserdeutschen Ländern. Direct.-Personal 9 Pers. 238 Arb. [Arbeiters]" Amtlicher katalog der ausstellung des Deutschen Reiches, 1873, p. 521

VIENNA - "Dann bei E. Kaps in Dresden: ein Salonflügel aus schwarzem Holz mit übersaitigem Bezug, Repetitionsmechanik nach Herz und Unterdämpfung. Der Ton ist voll, aber ziemlich scharf und nicht gehörig ausgeglichen, und von leichter Ansprache, die Spielart sehr leicht und die Abdämpfung gut." Officieller Ausstellungs-Bericht, 1874, p. 40

1875

Die Fortschritte der Industrie im Königreich Sachsen (mit besonderer Berücksichtigung der sächsischen IndustrieAusstellung 1875).

Hof-Pianoforte-Fabrik von E. Kaps, Dresden.

Die Hof-Pianoforte-Fabrik von Ernst Kaps in Dresden. (Aus der Vogelperspective.)

VIENNA - "Unsere höchste Anerkennung gebührt unstreitig in der rastlos fortschreitenden Jetztzeit, in welcher das Dampfross seine Rivalen verdrängt hat, in der ein Jeder an das Leben, an die Welt höhere Ansprüche stellt als je zuvor, allen denen, die durch unermüdlichen Fleiss, durch Ausdauer und natürliche Begabung zur Hebung der Gewerbe beigetragen haben, die das Wachsen und Gedeihen der Industrie auf dem Boden der Erfindungen unseres Jahrhunderts nicht träge und gleichgültig mit angesehen haben, sondern eifrig das Erblühen der einzelnen Gewerbszweige gefördert, dem Dampf und den Maschinen ihr Recht eingeräumt und unter deren Aegide den Anforderungen der Jetztzeit stets genügen.

Ein jedes Gewerbe hat nur einzelne Männer Äufzuweisen, die in genannter Richtung unser höchstes Lob und ünsre volle Anerkennung Verdienen, nur wenige ragen über das Niveau des Alltäglichen und Gewöhnlichen hervor, da die meisten es unbequem finden, aus ihrem Schlendrian gerissen zu werden oder keinen Schaffungstrieb besitzen, die vielleicht einmal errungenen Erfolge durch rastlose Thätigkeit noch zu vergrössern und weiter auszubeuten, aber gerade deshalb ist es unsere Pflicht, diese wenigen hervorzuheben, und unsre Leser werden darin uns beistimmen.

Das deutsche Reich hat eine Reihe Industrieller aufzuweisen, deren Leistungen in den letzten Jahrzehnten sowohl quantitativ wie qualitativ in so bedeutendem Masse die Concurrenz übertreffen, dass hier mit vollstem Rechte die grossartigen Erzeugnisse als allein aus der Thätigkeit des Mannes selbst hervorgegangen zu bezeichnen sind; denn der Gewerbtreibende und Industrielle kann und wird nie, wie oft der Beamte oder Staatsmann durch glücklichen Zufall und hohe Connexionen, sondern nur durch sein eigenes Schaffen, sein Talent und die gründlichste Fachkenntniss sich emporschwingen.

Ernst Kaps, dessen Portrait wir in einer der nächsten Nummern bringen werden, gehört zu den Männern, die, an der Spitze ihrer Industrie stehend, dieselbe in ihren ganzen Dimensionen gefördert haben, zu den wenigen, die es verdienen, zu denen gerechnet zu werden, welchen wir den industriellen Fortschritt unserer Tage zuvörderst danken.

Ernst Kaps ist unstreitig einer der bedeutendsten Pianofortefabrikanten des Königreichs Sachsen und in Anbetracht seiner Specialität der „Stutzflügel“ als genialster Reformator des Clavier's in Deutschland, wenn nicht des Continents anzusehen und sein grossartiges Etablissement weist alle jene neuen Erfindungen auf, die dieser Fabrikation zu Gute kommen können.

Ernst Karl Wilhelm Kaps wurde zu Döbeln im Königr. Sachsen am 16. December 1826 geboren.

Er genoss daselbst eine ausgezeichnete Erziehung, die ihm sein Vater angedeihen liess, bei welchem er dann das Tischlerhandwerk gründlich erlernte.

Darauf ging er auf Reisen, und wandte sich nach den nordischen Ländern, zuerst nach Kopenhagen; der Aufenthalt daselbst sollte massgebend für seinen ferneren Beruf sein, denn er widmete sich nun in der Pianofortefabrik von Petersen zuerst und allein dem Clavierbau, wozu ihm seine guten musikalischen Kenntnisse noch besonders qualificirten.

Von hier aus ging er nach Stockholm. Um sich aber völlig ausbilden zu können, musste er Paris aufsuchen, welches damals an der Spitze der Pianofortefabrikation stand.

Er conditionirte in den berühmtesten dortigen Ateliers, bei Henry Herz, Pleyel und Erard, folgte sodann einem ehrenvollen Rufe nach Marseille zu Boisselot, schiffte sich später von dort nach Neapel ein, um theils dort, theils in Rom und Turin Stellung zu haben. Es konnte nicht verfehlen, dass er aus dem musikalischen Italien die reichsten Erfahrungen sammelte und diese nach seiner Rückkehr in Paris wohl zu verwerthen wusste.

Auch in das Land, „wo die Castanien blüh'n“, trieb ihn sein Forschungstrieb, er conditionirte in Madrid bei dem Hof-Pianofortefabrikanten Larou, reiste von dort im Jahre 1857 quer durch Spanien nach Lissabon, um auch hier eine Zeitlang zu conditioniren.

Nachdem er sich noch nach London eingeschifft und daselbst längere Zeit gearbeitet hatte, kehrte er wieder nach Paris zurück und man kann sagen, er hat sich auf diesen Reisen nicht nur die ausgedehntesten Kenntnisse erworben, sondern seinem schöpferischen Talente war es möglich, durch sofortiges Erkennen des Guten, wie des mangelhaften der verschiedenartigsten Claviersysteme selbständiger zu schaffen, worin er das Gute und Brauchbare anderer Fabriken angenommen, das Mangelhafte derselben beseitigt hat.

– Im Jahre 1859 kehrte er nach Sachsen zurück, und die Staatsregierung daselbst bot ihm in Ansehung seiner aussergewöhnlichen technischen Erfahrungen und Kenntnisse im Pianofortebau bereitwilligst Mittel, um sich in Dresden etabliren zu können.

Nachdem Herr Ernst Kaps sein erstes Instrument, ein Pianino, sich genau an das Erard'sche System anschliessend, vollendet hatte, wurde er durch einen Besuch des damaligen Kronprinzen, jetzigen Königs von Sachsen beehrt, welcher dieses erste Instrument des Herrn Kaps für seinen eigenen Gebrauch ankaufte. (Bekanntlich ist König Albert Virtuos auf dem Clavier).

Besonders legte sich Herr Kaps auf den Flügelbau, worin er schon in der ersten Zeit so Ausgezeichnetes leistete, dass er schon im Jahre 1862 auf der Londoner Weltausstellung den 2. Preis erhielt.

Von jetzt an aber beschäftigte sich Herr Kaps mit einer fruchtbaren und schöpferischen Idee, deren Ausführung seinen Namen ganz besonders auch auf die ehrenvolle Höhe bringen sollte, die er überall besitzt.

Es galt nämlich den Flügel in einer kleinsten und kürzesten Form herzustellen, ohne dass er aber dabei von seinen Vorzügen das geringste einbüssen durfte. Bekanntlich ist früher fast immer die Grösse der Flügel selbst für musikalische Familien ein grosses Hinderniss des Ankaufes gewesen.

Durch unablässigen Eifer, nach vielen, oft kostspieligen Versuchen gelang es endlich Herrn Kaps, selbst an der kleinsten Flügelform einen schönen, gesangreichen und starken Ton hervorzubringen, so dass dieser vollständig den Vergleich mit einem grösseren Flügel aushalten konnte. Das geschah im Jahre 1868.

Ein solcher Miniaturflügel, wie ihn die Illustration pag. 270 veranschaulicht, nimmt nicht mehr Raum ein als ein tafelförmiges Pianoforte, entfaltet aber trotzdem die Tonfülle eines grossen Concertflügels.

Das eigenthümliche Verfahren, welches Herr Kaps bei der Construction und Bearbeitung des Resonanzbodens, hauptsächlich aber bei der Verdichtung und Erhärtung der weichen Fasern des Holzes verwendet, wodurch die Grösse und Schönheit des Tones erzielt wird, ist zur Zeit noch Geheimniss des Erfinders, dass es sich aber vollständig bewährt, beweisen die ausgezeichneten aus der Fabrik hervorgegangenen Instrumente.

Von dieser Zeit, also vom Jahre 1868 an, hob sich das Geschäft sehr schnell, einestheils durch die Vervollkommnung der Instrumente, anderntheils durch die grosse Solidität derselben und besonders die Reellität der Geschäftspraxis.

Im Jahre 1871 war Herr Kaps genöthigt, eine grosse Fabrik in einer Vorstadt Dresdens zu errichten, das nächste Jahr kam eine zweite dazu, so dass in dem gesammten Etablissement ausser den Hilfsmaschinen gegen 300 Arbeiter beschäftigt sind und gleichzeitig 340–350 Flügel in Arbeit begriffen sind.

Alle 4 Stunden wird ein Flügel fertig, und Herr Kaps versendet wöchentlich durchschnittlich 15 Stück. Nach allen Erdtheilen versendet er seine Fabrikate, an die Höfe vieler Potentaten. Selbst im Palaste des türkischen Sultans ergötzt man sich an den vollen, dabei zarten Klängen der Kaps'schen Flügel, und die grössten Virtuosen, wie Liszt, Bülow u. a. spielen am liebsten auf einem „kleinen Kaps“.

– Es konnte nicht ausbleiben, dass diese eminenten Leistungen von gewichtigen Seiten in ehrenvollster Weise anerkannt wurden.

Erhielt doch Herr Kaps für seinen Stutzflügel auf der Ausstellung in Moskau im Jahre 1872 den ersten Preis, die einzige grosse goldene Medaille.

Auf der Wiener Weltausstellung im Jahre 1873 hatte Herr Kaps „hors concours“ zwei seiner kleinen Flügel ausgestellt und erregten dieselben durch ihre Tonschönheit, Solidität und leichte Spielart gewaltiges Aufsehen.

Cabinetflügel von E. Kaps im Königssalon der sächsischen Industrie-Ausstellung zu Dresden 1875.

Herr Kaps leitet und überwacht noch jetzt das grossartige Etablissement, wie es durch Illustration unsern Lesern veranschaulicht wird, persönlich und wurde für seine rastlose Thätigkeit und die Hebung der Pianofortefabrikation in Dresden, was unstreitig sein Verdienst ist, von dem Könige von Sachsen am 27. Februar d. J. zum Ritter des Albrechtsordens ernannt, wie auch König Albert schon im Februar vergangenen Jahres das Etablissement des Herrn Kaps mit einem längeren Besuche beehrte.

So liegt wieder ein eclatanter Beweis dafür vor, wie sich ein unbemittelter Mann aus einfachen Verhältnissen durch die Kraft seines Willens, durch rastlose Thätigkeit und Solidität zur Höhe eines grossen Industriellen emporschwingen kann. Auf der Sächsischen Industrie-Ausstellung zu Dresden, die heute eröffnet wird ziert ein Cabinetflügel des verdienten Fabrikanten das Königszimmer, es ist ein Prachtwerk in imitirtem Ebenholz und der besondern Beachtung aller Besucher der Ausstellung werth. B.

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